Mittwoch, 19. September 2018

Ruhrgebiet, Bochum, NRW - Wissenschaft & Forschung, Medizin

Bochumer Forscher empfehlen Dufttherapie für das Haarwachstum

Bochum (idr). Mit Sandelholz gegen Haarausfall: Eine Dufttherapie kann die Lebensdauer von Haaren verlängern. Das hat die Ruhr-Uni Bochum gemeinsam mit Experten des Monasterium Laboratory in Münster und der University of Manchester in Organkulturexperimenten herausgefunden. Menschliche Haarwurzelzellen besitzen Duftrezeptoren, die mit einem sandelholzartigen Duft aktiviert werden können.
Stimulierten die Wissenschaftler den Rezeptor vier bis sechs Tage, erhöhte sich in den Haarfollikelzellen die Menge des Wachstumsfaktors IGF-1, einer der wichtigsten natürlichen Haarwuchsstimulatoren. In der Folge verlängerte sich die Wachstumsphase um etwa 30 Prozent. 
Die Experten gehen nun davon aus, dass entsprechende Duftstoffe in Haarwassern oder Shampoos bei hormon- oder stressbedingtem diffusem Haarausfall helfen könnten. Eine erste klinische Studie mit 40 Patienten scheint das zu bestätigen. Die Anwendung einer Sandalore-haltigen Lotion über drei Monate verringerte den Haarausfall um 17,5 Prozent im Vergleich zu einem Placebo.


Donnerstag, 13. September 2018

Kirche trifft Juristen


Die Fähigkeit zum Kompromiss
Juristentreffen mit Bischof Genn zu religionsrechtlichen Ordnungen


Antonius Kerkhoff, Direktor Akademie Franz-Hitze-Haus, Prof. Dr. Gernot Sydow, Prof. Dr. Hans Michael Heinig, Bischof Dr. Felix Genn, Maria Kröger, Stellvertreterin des Akademiedirektors, und Generalvikar Dr. Norbert Köster (von links) tauschten sich mit den Juristen über „Religionsrechtliche Ordnungen und zukünftige Bewährungsproben“ aus.
ONsüd-Bild: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann


Münster (pbm/acl). Anspruchsvollere Diskussionen über die Rolle der Religion und ihr Verhältnis zum Staat hat Hans Michael Heinig, Professor für Öffentliches Recht, insbesondere Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, an der Universität Göttingen, am 12. September in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster gefordert. Heinig sprach beim Juristentreffen des Bistums Münster, an dem auf Einladung von Bischof Dr. Felix Genn mehr als 200 Rechtsanwälte, Richter, Notare und Justitiare aus dem Bistum teilnahmen. Das Treffen stand unter dem Thema „Säkular, aber nicht säkularistisch. Religionsrechtliche Ordnungen und zukünftige Bewährungsproben“.
Zu Beginn begrüßte Münsters Bischof Dr. Felix Genn die Juristen. „Das ist ein gesellschaftlich virulentes Thema, das für uns als Kirche von existenzieller Bedeutung ist“, erklärte Genn. Als das Grundgesetz und die darin festgeschriebene Offenheit des Staates gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen verabschiedet worden sei, sei eine Kirchenmitgliedschaft „quasi selbstverständlich“ gewesen. „Das hat sich gravierend verändert: Die Bindung an die Kirche schwindet, andere Religionen nehmen ihren Platz ein, und es gibt immer mehr Men-schen ohne Bekenntnis“, fasste er die aktuelle Situation zusammen.
Genn sprach von einer „Umbruchsituation mit erheblichem Druck auf die bisher praktizierende Art, Religion im öffentlichen Raum staatlicherseits zu ermöglichen“. Die Kirche müsse immer wieder die eigene Positionierung bedenken, um gesellschaftlichen Kräften entgegenzuwirken, die eine radikale andere religionspolitische Ordnung fordern. „Wie kann das gelingen? Und wie reagieren wir auf Akteure, die bezweifeln, dass religiöse und nicht-religiöse Menschen mit gleichem Recht an demokratischer Auseinandersetzung teilnehmen dürfen? Diese Fragen bewegen nicht nur einen Bischof, sondern uns alle“, erklärte Genn.
Beobachtungen und Gedanken zur Frage, wie die freiheitliche Ordnung vor dem Hintergrund des Verlusts der christlichen Prägung der Gesellschaft aufrechterhalten werden könne, gab anschließend der Referent. Um die Herausforderung der Gegenwart benennen zu können, machte er zunächst auf die historische Prägung des Religionsverfassungsrechts aufmerksam. „Ohne diese Kenntnis wird der von den Kirchen zurückgelegte Weg ausgeblendet, wie sie zu den heutigen Stützen einer liberaldemokratischen Verfassungsordnung wurden“, erklärte er.
Mit einem Blick in parteipolitische Debatten stellte Heinig zwei entgegengesetzte religions-politische Modelle vor. Hierarchische Ansätze, bei dem Vertreter danach fragen, welchen Beitrag die Religionsgemeinschaften für die Umsetzung der freiheitlichen Verfassungsordnung erbringen, findet nach Meinung des Referenten Wiederhall in den islamkritischen Debatten der „Alternative für Deutschland“ (AfD). „Im Wahlprogramm lässt sich erkennen, in welche Sackgassen dieses Modell führt“, sagte Heinig. So sei immer wieder zu hören, dass der Islam von der Religionsfreiheit nicht geschützt werde. Den Islam kenne das Grundgesetz aber ebenso wenig wie das Christentum oder die Kirche, verdeutlichte er. „Der Religionsbegriff ist offen für unterschiedliche religiöse Selbstverständnisse, insbesondere schützt er auch Minderheiten.“ Die freiheitliche Verfassungsordnung verlange vom Staat, dass er den Einzelfall in den Blick nimmt, führte Heinig weiter aus. „Folgerichtig werden in Deutschland einzelne Moscheegemeinden als verfassungsfeindlich verboten, andere werden vom Verfassungsschutz beobachtet, und mit dritten kooperiert der Staat in der Sozial-, Integrations- und Bildungsarbeit.“
Vertreter der Laizisierung treten für die Zurückdrängung aller Religion aus der Öffentlichkeit ein. Verstärkt beobachtet Heinig, dass auf eine solche liberale, laizistische Ideologie zurück-gegriffen werde, um islambezogene Herausforderungen zu bewältigen. Er sieht darin eine Gefahr: Der freiheitliche Staat im Sinne des Grundgesetzes sei „säkular, aber nicht säkularistisch“.
Wie es mit der religionspolitischen Ordnung weitergehe, hänge von notwendigen „produktiven Gegenwartsdebatten“ ab, für die Heinig einige Beispiele nannte. „Wir müssen über trag-fähige und glaubwürdigkeitsschonende Modelle diskutieren, wie Diakonie und Caritas in den Sozialstaat eingebunden werden können als Ausdruck von Trägerpluralität trotz verschärften, ökonomischen Wettbewerbs“, erklärte er. Das setze das kirchliche Arbeitsrecht enorm unter Druck. „Also müssen wir es weiterentwickeln, das ist eine Herausforderung.“ Außer-dem müsse über die Vermittlung von Religion in der Schule diskutiert werden und über Organisationsformen für unterschiedliche Theologien an staatlichen Hochschulen.
Wie konstruktiv sich diese Debatten gestalten, hänge von Umständen ab, über die das Recht selbst nicht verfüge, beispielsweise ob ein nachhaltiger Interessenausgleich zwischen säkular und religiös gesonnenen Bürgern gelinge und ob hinzukommende Akteure mit den ungeschriebenen Spielregeln, wie Kirche und Staat oder Gewerkschaft und Arbeitgeber in Deutschland miteinander agieren, umzugehen wissen. „Eine produktive Bewältigung von Religionskonflikten hängt auch von der Fähigkeit zum Kompromiss ab“, schloss Heinig.
Prof. Dr. Gernot Sydow von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster moderierte die anschließende Diskussion mit dem Referenten.


Mittwoch, 12. September 2018

Expertenwissen: Medizin

Dr. med. Klaus Schnittert

Was man bei der Einnahme von PPI beachten sollte
Eine fachmännische Patienteninformation von Dr. med. Klaus Schnittert

Das Akronym PPI bedeutet "Protonenpumpeninhibitoren"; die wichtigsten Vertreter sind Omeprazol und Pantoprazol. Sie hemmen die Säureskretion des Magens. Sie sind die effektivsten Medikamente in der Behandlung einer gesicherten GERD (Gastroösophageale Refluxkrankheit) sowohl in der Akuttherapie als auch in der Langzeitprophylaxe.
Weitere gesicherte Indikationen sind Geschwüre des Magens und Zwölffingerdarms, insbesondere, wenn sie mit Blutungen einhergehen sowie, wenn gleichzeitig eine Helicobacter pylori- Infektion vorliegt.
Darüber hinaus werden sie eingesetzt zur Verhinderung von Geschwüren im oberen Verdauungstrakt bei notwendiger Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatica wie lbuprofen oder Diclofenac.
Zur Frage, ob die Einnahme von PPI in der Schwangerschaft mit Risiken für das Kind verbunden ist, existieren keine aussagekräftigen Studien.
Leider werden die PPIs oft außerhalb dieser Indikationen verordnet bzw. selbst gekauft. In niedriger Dosierung und kleinen Mengen sind sie inzwischen frei verkäuflich.
Oberbauchbeschwerden oder Sodbrennen werden oft, auch von uns Ärzten, mit einer Refluxkrankheit gleichgesetzt und reflexartig verordnet, obwohl eher ein unspezifischer Reizmagen besteht.
In einer großen US-amerikanischen Studie zeigte sich. dass bei einem Drittel der Patienten Gastritis bzw. Duodenitis als Grund für die PPI-Verordnung angegeben wurde. Hierbei ist die Wirksamkeit aber deutlich geringer, bzw. gar nicht gesichert.
Bei der Einnahme muss Folgendes beachtet werden:
PPIs sind Prodrugs, die erst im sauren Milieu aktiviert werden.Um schnell resorbiert zu werden, müssen sie auf leeren Magen eingenommen werden. Etwa eine halbe Stunde später sollte die Säurebildung im Magen durch eine Mahlzeit stimuliert werden, damit die PPI aktiviert werden. Daraus resultiert die Empfehlung, eine PPI-Dosis etwa eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit einzunehmen. Andererseits erklärt das, warum ein PPI ungenügend wirkt, wenn es nach dem Essen oder vor dem Schlafengehen genommen wird, bzw. keine Mahlzeit folgt.
Während es für PPI's lange nahezu keine Hinweise für bedeutsame Risiken einer Dauertherapie gab, mehren sich Sicherheitsbedenken angesichts unerwünschter Wirkungen, besonders bei der Langzeitbehandlung.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Durchfälle und Übelkeit.

Eine wichtige Funktion der Magensäure ist die Abwehr von Bakterien. Deshalb ist es nicht wunderlich, dass die Säureverminderung unter PPI das Risiko erhöht, an Infektionen, insbesondere im Verdauungstrakt, zu erkranken. In diesem Zusammenhang wichtigster Erreger ist Clostridium difficile, welcher zunehmend häufig bei Patienten gefunden wird, die unter PPI-Dauertherapie unklare Durchfälle haben.
Zu Erachten ist auch eine Häufung der sogenannten Reisediarrhoe bei PPI-Patienten. Aber auch broncho-pulmonale Infektionen kommen häufiger vor.
Die Konsequenz ist z.B. bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, die Cortison nehmen, völlig auf die Gabe von PPI zu verzichten. Es herrscht breiter Konsens, dass bei Risikopatienten, definiert als ein Alter von über 70 Jahren und begleitende ungünstige Krankheiten, z.B. Demenz, eine PPI- Therapie möglichst vermieden werden sollte.
Schwierig ist der Zusammenhang mit der Osteoporose. Es ist gesichert, dass unter PPI-Langzeittherapie Oberschenkelhals- und Wirbelkörperfrakturen häufiger auftreten, aber offensichtlich nur bei Raucherinnen. Dies ist jedoch nicht auf Knochenmasseverlust d.h. Osteoporose, zurückzuführen, sondern auf eine Störung der Osteoklastenfunktion mit dem paradoxen Ergebnis, dass der Knochen dichter, aber trotzdem brüchiger wird.
Da unter PPI-Einnahme die Calciumresorption beeinträchtigt ist, sollte man bei allen Patienten mit nachgewiesener Osteoporose und allen Frauen in der Menopause sehr kritisch und zurückhaltend in der Verordnung sein.
Die Resorptionsbeeinträchtigung von Inhaltsstoffen der Nahrung betrifft auch Vitamin B12 und besonders Magnesium. Speziell dieses Mineral muss unter gleichzeitiger Gabe von Diuretika oder bestimmten Herzmitteln evtl. zusätzlich gegeben werden.
Die Symptome eines Magnesiummangels sind u.a. Tremor, Parästhesien (unklares Kribbeln), Muskelkrämpfe, Lethargie und Herzrhythmusstörungen.
Ein wichtiger Punkt ist die Interaktion zwischen PPI und anderen Medikamenten ZB, Clopidogrel und ASS, zwei häufig, besonders bei kardialen und Gefäßerkrankungen eingesetzte Medikamente.
Die gleichzeitige Einnahme kann zu Wirkungsabschwächung und damit zum Auftreten von Herzproblemen führen. Die American- Heart-Association empfiehlt in dieser Situation, auf S-Omeprazol und Omeprazol zu verzichten. Ähnliches gilt für Marcumar.
Ich habe bei 2 Patienten eine plötzliche deutliche Verstärkung der Marcumar-Wirkung mit erhöhter Blutungsgefahr unter PPI erlebt.

Eine weitere mögliche Interaktion ist die gleichzeitige Einnahme von Schilddrüsenhormonen, deren Resorption bei erhöhtem pH- Wert des Magensaftes reduziert ist: so dass die Dosis evtl. erhöht werden muss.
Treten nach Absetzen einer PPI-Behandlung erneut Refluxbeschwerden auf, die teilweise die anfänglichen Symptome übersteigen können, wird die eigentliche Ursache für dieses Rezidiv häufig falsch gesehen. Man weiß, dass die Beendigung einer PPI-Therapie zu einer vorübergehenden Verstärkung der Säureproduktion des Magens führen kann, die der Patient als neuerliches Sodbrennen, Druck hinter dem Brustbein, Schluckbeschwerden empfindet. Dieses Rebound-Phänomen kann in Einzelfällen über mehrere Wochen bestehen bleiben Als Folge davon kann es zu einer Dauer-PPI-Behandlung kommen, da jede Therapieunterbrechung zu einem vermeintlichen Rezidiv der GERD fühlt. Es wird bei diesen Patienten empfohlen, den Versuch einer Drop-down-Behandlung zu unternehmen, um den Rebound-Effekt der Hyperacidität zu unterlaufen. D.h. man versucht allmählich die Dosis des PPI zu reduzieren, in Einzelfällen verringern wir die PPl-Gabe auf 1-2-mal wöchentliche Einnahme der sonst üblichen Standarddosis.
Abschließend bleibt festzustellen, dass Kritiker glauben, 70 % aller PPI-Verordnungen seien unangemessen. Wir sollten die Mittel nicht bedenkenlos verschreiben, auch wenn unbestritten ist, dass PPI wirksam sind und benötigt werden. Ihnen ist es letztlich zu verdanken, dass Ulcus-Operationen am Magen (Billroth Il- Resektionen) heute praktisch nicht mehr durchgeführt werden müssen.

Dienstag, 7. August 2018

Ruhrgebiet - Wissenschaft & Forschung, Bildung

Physik-Wissenschaftsfestival kommt nach Dortmund

Dortmund (idr). Das Festival "Highlights der Physik" kommt nach Dortmund. Eröffnet wird es mit einer großen Wissenschaftsshow mit Ranga Yogeshwar am 17. September in der Westfalenhalle. Gäste wie der Schriftsteller Frank Schätzing und der Arzt Dietrich Grönemeyer unterhalten rund um aktuelle physikalische Themen aus Medizin und Sport. Dazu gibt es Artistik, Comedy und Musik.
Herzstück des Festivals, das in diesem Jahr unter dem Motto "Herzrasen" steht, ist eine Mitmach-Ausstellung an der Reinoldikirche vom 18. bis 22. September. An rund 40 Stationen erklären Wissenschaftler physikalische Forschung vom Roboterfußball bis zur medizinischen Diagnostik. Ein umfangreiches Vortragsprogramm rundet die "Highlights der Physik" ab.
Das Wissenschaftsfestival findet einmal jährlich mit wechselnder Thematik in jeweils einer anderen Universitätsstadt statt. Veranstalter sind das Bundesforschungsministerium, die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Technische Universität Dortmund.


Donnerstag, 2. August 2018

Ruhrgebiet - Wissenschaft & Forschung, Bildung

Rund 255.000 Studierende lernen in der Metropole Ruhr

Metropole Ruhr/Düsseldorf (idr). Im Wintersemester 2017/18 waren an den Hochschulen der Metropole Ruhr 255.009 Studierende eingeschrieben. Das haben Statistiker des Regionalverbandes Ruhr (RVR) auf der Basis einer aktuellen Erhebung des Landesamtes IT.NRW errechnet.
Im Vorjahr studierten 274.714 Hochschüler an einem Campus im Ruhrgebiet. Das entspricht einem Rückgang von fast 7,2 Prozent. Der Rückgang geht auch auf die Novellierung des Hochschulstatistikgesetzes: Bei einzelnen Hochschulen wurden die Daten für deren Standorte bislang am Hauptsitz gemeldet, jetzt werden diese im jeweiligen Bundesland erfasst. Das betrifft in der Metropole Ruhr vor allem die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, Essen, die deutschlandweit Standorte betreibt.
NRW-weit waren im vergangenen Wintersemester 763.765 Studierende eingeschrieben. Das waren 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (768.353). Im Wintersemester 2016/17 hatte es noch einen Anstieg um 3,1 Prozent gegeben.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Ruhrgebiet, Oberhausen, NRW - Wissenschaft & Forschung, Umwelt

Fraunhofer Umsicht untersucht Mikroplastik-Emissionen

Oberhausen (idr). In Deutschland werden jährlich rund vier Kilogramm Mikroplastik pro Kopf freigesetzt. Die Emissionen an Makroplastik betragen etwa 1,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Das geht aus einer Studie des Oberhausener Instituts Fraunhofer Umsicht hervor. In den vergangenen zwei Jahren hatten die Wissenschaftler im Auftrag von Partnern aus der Kunststoffindustrie, Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Forschung in der "Konsortialstudie Mikroplastik" den Wissensstand zu Mikro- und Makroplastik zusammengetragen.
Die Autoren ermittelten insgesamt 51 Mikroplastikquellen und berechneten die Emissionen. Dafür unterschieden sie zwischen Primärem Mikroplastik der Typen A und B: Typ A sind Partikel aus industriell hergestelltem Kunststoff wie Microbeads in Kosmetika oder Kunststoffpellets. Typ B ensteht unbeabsichtigt durch Abrieb oder Verwitterung z.B. bei Autoreifen oder Schuhsohlen. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn Müll verwittert bzw. fragmentiert.
Kunststoffemissionen bestehen in Deutschland zu 74 Prozent aus Mikroplastik, so bezifferten es die Experten. Zur Reduzierung der Emissionen empfehlen sie neben dem Ausbau der Kreislaufwirtschaft, dem Verbot von bestimmten Produkten, der Entwicklung neuer Filtersysteme und der Anpassung der Siedlungswasserwirtschaft auch die Sensibilisierung der Verbraucher. Schon das Entfernen von herumliegendem Müll sei ein Anfang.

Montag, 2. Juli 2018

Ruhrgebiet - Medizin

LWL-Universitätsklinikum Bochum setzt auf App
zur ambulanten Behandlung psychisch Kranker

Bochum (idr). Nach einem stationären Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus ist die ambulante Weiterbetreuung oftmals nicht sichergestellt, da es an ambulanten Therapieplätzen mangelt. Die Folge: Patienten werden nach kurzer Zeit wieder stationär eingewiesen. Das LWL-Universitätsklinikum Bochum will künftig eine neue App einsetzen, um dem sogenannten Drehtüreffekt entgegenzuwirken. Mit Hilfe des Programm kommunizieren Patienten und Therapeuten über Messengerdienste, Chat und Videotelefonie miteinander. Termine können vereinbart, Rezepte und Bescheinigungen angefordert sowie Dokumentationen für die Therapie angelegt werden. Darüber hinaus bieten die Therapeuten über die App kurzfristig Interventionsmöglichkeiten an.
Entwickelt wurde die "Tell us"-App vom LWL-Forschungsinstitut für Seelische Gesundheit. Der Startschuss für die Pilotphase fällt zum Jahreswechsel.