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Arbeit & Beruf


(Rh)Einblick

Ein Praktikumsbericht

von Annabell Sindorio

Erst einmal in Düsseldorf am Hauptbahnhof ausgestiegen, geht es mit der Niederflurstraßenbahn in Richtung des Regierungsviertels. An der Halterstelle Poststraße aussteigen und verwundert beobachten, wie sich wilde Gänse in aller Seelenruhe auf den Schienen, der Straße und den angrenzenden Rasenflächen tummeln und sich ihr Frühstück organisieren. Die gefiederten Herrschaften sind stadtbekannt und die Bahnfahrer sowie alle Autofahrer darauf eingestellt, dass die Haroldstraße wegen des watschelnden Federviehs zeitweise zur verkehrsberuhigten Zone erklärt werden muss. Kurz fokussieren und dann das Gebäude mit der Hausnummer 4 suchen. Nach ein paar Schritten wird deutlich, dass man es nicht übersehen kann. Nach etwa einhundert Metern erreiche ich es. Ich bin angekommen, am Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.

 
Aussicht mit Rheinblick- Ministerium für Familie, Kinder, Jugend,
Kultur und Sport des Landes NRW. ONsüd-Bild: Annabell Sindorio
Wohin möchten Sie? Fragt der Pförtner freundlich, aber routiniert. Ich möchte in die achte Etage, in die Kulturabteilung, ins Referat für Bibliotheken, Literatur und Archive. Hier werde ich für die nächsten vier Wochen ein Praktikum im Zuge meines Germanistik- und Kunstgeschichtsstudium machen. In einer  Landesbehörde, alles ziemlich aufregend. Oben angekommen, begrüßt mich die Referentin für den Bereich Archive. Ich bin entspannt und fühle mich sofort gut aufgehoben. Man teilt mir ein eigenes Büro mit kompletter IT-Ausstattung zu, ich bekomme meine eigene Emailadresse. Ein Blick aus dem Fenster genügt. Wie kann man hier nicht gerne arbeiten? Ich blicke auf den Rhein, der hier eine starke Kurve macht, das Rheinknie, über das sich die Rheinkniebrücke mit ihren beiden gigantischen Pylonen spannt. Keine Frage, so lässt es sich arbeiten. Später lerne ich den Sachbearbeiter im Referat kennen sowie weitere Mitarbeiter aus der Abteilung und natürlich auch die Referatsleiterin, die die Schwerpunkte Bibliotheken und Literatur abdeckt. Die Arbeitsatmosphäre ist fühlbar gut, wobei alle sich sehr engagiert auf mein Praktikum vorbereitet haben und sich sehr um mich bemühen.

 
Wozu eigentlich der ganze Aufwand? Damit ich die Möglichkeit bekomme, in medias res mit der Arbeit in der öffentlichen Verwaltung im Kulturbereich und der Kulturförderung zu gehen. Kulturförderung ist das große Stichwort und genau das ist die eigentliche Hauptaufgabe der Kulturabteilung. Sei es der Kinderbuchpreis oder der Literaturförderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler des Landes NRW, Kooperationen mit Bibliotheken, die Lesefeste veranstalten, oder der Umzug des Landesarchives NRW von Düsseldorf nach Duisburg. Es werden Anträge gestellt, die mit entsprechender Expertise auf Formalitäten und Inhalt geprüft werden müssen und die dann einen langen Weg durch verschiedene Instanzen vor sich haben. Die Arbeit mit den Antragsstellern, aber auch mit Bürgerinnen und Bürgern, die jederzeit ihre Fragen an das Ministerium richten können, macht einen weiteren großen Teil der Tätigkeiten aus. Außerdem kommt noch die Zuarbeit für den Staatssekretär und die Ministerin hinzu, denn dafür gibt es ja die Referate, zum referieren.

 
Insgesamt ergibt sich ein Bild von einem komplizierten Konstrukt, auf dem die Regierungsmaschinerie fußt und dessen Tragweite man in vier Wochen kaum überblicken kann. Jedoch bekommt man eine Ahnung davon was es heißt, ein Teil dieses Systems zu sein, was es bedeutet ein Stück Mitverantwortung daran zu tragen, dass Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland auch weiterhin eine florierende Kulturlandschaft zu bieten hat. Verantwortung? Okay. Mit Rheinblick? Noch besser.

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