wissenswert

100. 000 km Flug,
2,5 Mal um die Erde, 
für 
1 Kilo Honig 




von Katharina Kumeko (Text) und Lilian Seidel (Fotos)

Zu diesem Artikel habe ich mit Astrid Szibbat, einer Imkerin aus Duisburg, ein einstündiges Interview geführt.
Ein Bienenstock ist ein Gesamtorganismus. Im Sommer beherbergt er etwa 50.000 Bienen, im Winter etwa 20.000. Eine Biene lebt ca. 60 Tage. Sie durchläuft von Brutpflegerin bis zur Torwächterin und Leichenträgerin alle Arbeitsstufen in einem Stock. Nur die letzten 14 Tage ist sie Honigsammlerin. Das Sammeln ist für eine Biene sehr anstrengend. Es kostet sie letztendlich ihr Leben. Für 1 kg Honig fliegen Bienen etwa 100.000 km, das heißt 2,5 Mal um die Erde. Das Bienenvolk sammelt sich um eine Königin, die etwa 4-5 Jahre lebt. In dieser Zeit legt sie durchweg Eier. Sie ist das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen im Stock. Sie legt bis zu 1.500 Eier am Tag. Eine Befruchtung von Drohnen reicht ihr, um für die gesamte Zeit von 4-5 Jahren Eier zu legen.

Ein großes Problem für das Überleben der Bienen ist die Varroamilbe. Diese ist mittlerweile durch die Globalisierung weltweit unfassbar verbreitet. Sie hat sogar Australien, das vorher keine Varroamilben kannte, erreicht. Die Milbe wächst bevorzugt auf der Drohnenbrut. Sie ist der Grund für das Bienensterben der letzten Jahre. Sie überträgt durch das Saugen von Bienenblut gefährliche Viren und damit Krankheiten auf die Bienen. Diese verursachen Missbildungen, z.B. keine Flügel bei Brut- und Jungbienen. Die meisten Imker greifen auf biologische Mittel bei der Bekämpfung dieser Plage zurück. Nach der 2. Honigernte werden die Völker mit 60% Ameisensäure behandelt. Die Säure kommt in einen Verdunster und wird im Bienenstock auf ein Stück Vlies gestellt. Die Milben übersäuern so, weil sie die Säure nicht so schnell abbauen können wie die Bienen. Sie sterben ab. Je nachdem, wie viele tote Milben auf dem Vlies gefunden werden, kann man die Behandlung auch noch einmal wiederholen. Eine andere Methode zur Milbenreduzierung ist: die Imker schneiden April bis Ende Juni die Drohnenbrut weg. Im August schlüpfen die langlebigen Winterbienen. Diese leben mehrere Monate bis Ende Januar des nächsten Jahres. Diese Winterbienen würden bei Nichtentfernen der Drohnenbrut so geschädigt, dass der Imker im Frühling einen leeren Stock vorfände. Und zwar leer deshalb: weil Bienen „merken“, wenn sie krank sind, fliegen sie nach draußen, um zu sterben. Sie sind so sozial, dass sie ihren Stock nicht verschmutzen oder gefährden.

Die Biene sucht eine Tracht. Das heißt, sie sucht z.B. Felder voller Raps oder nur Lindenbäume. Sie fliegt also nicht hier eine Geranie und dort einen Löwenzahn an, sondern sie sammelt eine Sorte. Um Honig zu bekommen, holt der Imker zunächst eine Honigwabe aus einem der Bienenkästen. Er fegt die darauf sitzenden Bienen vorsichtig ab und entnimmt etwas Honig. Ob dieser schon reif ist, erkennt er an zwei Kriterien: Zwei Drittel der Wabenfläche sollten mit Wachs verdeckelt sein. Zweitens misst man die Honigfeuchte. Mit einem Refraktometer, auf das ein wenig Honig gestrichen wird, kann man messen, wie viel Wasser der Honig enthält. Bei 17,8 (das wird im Gerät mit einer Linie angezeigt) ist er reif.

Dann setzt man 4 Waben in eine Honigschleuder ein. Dort wird er durch Zentrifugalkraft aus den Waben herausgeschleudert. Durch ein Doppelsieb läuft er in einen Eimer oder direkt ins Glas. Honig besteht zum größten Teil aus Wasser und Zucker. Aber er ist von den Bienen durch körpereigene Stoffe angereichert. Sie können Halsschmerzen, Darmbeschwerden oder Wunden heilen. Wenn man in seinem Garten etwas Gutes für Bienen tun möchte, aber auch für Hummeln, Wildbienen und Solitärbienen, sollte man Blumen mit ungefüllten Blüten pflanzen. Das sind Blumen, die sehr nahe an ihrer Wildform sind. Man sollte über den Winter altes Holz liegen lassen und im Herbst Stauden nicht zurückschneiden. Eine Delikatesse für Bienen ist, wenn der Rasen so wenig geschnitten wird, dass der Klee darin blühen kann. Wer noch mehr über Bienen wissen möchte, sollte das Bienenmuseum in Duisburg, Schulallee 11, 47239 Duisburg, besuchen. Dort werden auch Kurse für zukünftige Imker gegeben.




Beliebte Posts aus diesem Blog

Ruhrgebiet - Wissenschaft & Forschung

Ruhrgebiet - Medizin

Ruhrgebiet - Wissenschaft & Forschung, Medizin