Jobreportage
Dr. Nicole Sellhast,
Notärztin beim BVB
- ein Einblick in ihre Arbeit im Stadion -
- ein Einblick in ihre Arbeit im Stadion -
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Auf dem Bild ist Dr. Sellhast im Stadion zu sehen. Im Hintergrund : die „Gelbe Wand“
ONsüd-Bilder & Text: Kristina Schröder (Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen)
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Wann immer sie gebraucht wird,
wechselt Dr. Nicole Sellhast ihr Fan-Trikot gegen Einsatzjacke und
Notfallkoffer. Dann sitzt sie nicht auf ihrem Dauerkarten-Platz auf der
Westtribüne, sondern kümmert sich als Notärztin beim Deutschen Roten Kreuz
(DRK) um die medizinischen Notfälle im Signal-Iduna-Park, dem Heimstadion des
BVB in Dortmund – so auch am vergangenen Samstag beim Bundesliga-Spiel gegen
Hoffenheim.
Normalerweise arbeitet sie als
Unfallchirurgin im Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen. Der ehrenamtliche
Dienst im Dortmunder Stadion ist ihr eine Herzensangelegenheit. Dr. Nicole
Sellhast ist einerseits Medizinerin, andererseits BVB-Fan. Und beim DRK-Kreisverband
Dortmund e.V. kann die Oberärztin beide Leidenschaften vereinen. Seit mehreren
Jahren schon übernimmt sie den Rettungsdienst als Notärztin im Stadion. „Es
macht mir Spaß, und ich kann es einfach nicht lassen“, erklärt die Bochumerin
mit einem Schmunzeln im Gesicht. Wenn „ihre“ Borussen auf dem Rasen im
Dortmunder Stadion um den Sieg kämpfen, ist die 42-Jährige stets dabei. Und
wenn nicht als Notärztin, dann auf ihrem Dauerkarten-Platz auf der Westtribüne.
Das Ticket trägt sie immer bei sich – als Tattoo auf dem Oberarm.
Zwei Stunden vor Spielbeginn
beziehen die DRK-Einsatzkräfte Stellung im „Signal Iduna Park“. Beim
ausverkauften Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim fiebern 81.360 potenzielle
Patienten mit. Dr. Nicole Sellhast bleibt gelassen. Mit Notfallsanitäter Daniel
Witt und Rettungssanitäter Nino Rosato ist sie für die Südtribüne eingeteilt.
Wichtig zu betonten ist ihr: „Wir alle sind zu allen Patienten gleich, ich
mache da keine Unterschiede.“
Gut eine Stunde vor Anstoß
kommt der erste Hilfesuchende in den Sanitätsraum unter der Südtribüne. „Ich
habe so starke Zahnschmerzen. Könnte ich eine Schmerztablette bekommen?“,
bittet der junge Mann. Natürlich.
Während des Spiels ist die
Notärztin im Stadion. Ein Auge hat sie stets auf das Spielfeld, eines auf die
Tribüne gerichtet. Tor! Beim 1:0 durch Marco Reus nach nur vier Minuten
Spielzeit jubelt Dr. Nicole Sellhast leise mit. Die erste Halbzeit bleibt
ruhig. In der Pause sieht das DRK-Team im Sanitätsraum nach dem Rechten.
„Nicole, Atemnot!“, ruft Nino Rosato plötzlich. Der Einsatz kam per Funkgerät.
Sofort sprinten die drei los zum Sanitätsraum. Dort die Entwarnung: Ein
Asthma-Patient hatte sein Spray vergessen. Sellhast hilft aus, der junge Mann
kann wieder gehen.
Das Spiel verpassen will
natürlich keiner der Zuschauer – auch nicht die, die sich besser im Krankenhaus
behandeln lassen sollten. „Wer selbst entscheiden kann, entscheidet sich, hier
zu bleiben, um das Spiel zu Ende zu sehen“, erzählt die Ärztin. Für Dr. Nicole
Sellhast ist das keine Option. Wenn ein Einsatz ruft, ist das Geschehen auf dem
Spielfeld zweitrangig.
Die Fälle seien im Stadion
genauso vielfältig wie im Krankenhaus. Trotzdem seien es vor allem medizinische
Kleinigkeiten, die sie behandelt: „Meistens kümmern wir uns um alkoholisierte
Patienten, Leute mit Kreislaufbeschwerden, Krampfanfällen oder kleinen Wunden.“
Diesmal blieb es besonders ruhig. Erst kurz nach dem 2:0 durch Aubameyang kommt
der zweite Einsatz über Funk: Einer Frau gehe es zunehmend schlechter. „Nur“
Kreislauf. Kein Fall für die Notärztin. Die Sanitäter übernehmen. Am Ende
gewinnt die Borussia 2:1. Doppelter Grund zur Freude für die Notärztin: ein
Sieg für den BVB und keine ernsthaft Verletzten.
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Das Bild zeigt, wie Dr. Sellhast (l.) mit ihren Kollegen Nino Rosato (r.) und Daniel Witt den Notfallkoffer checkt. |
Hintergrundinformationen:
Dr.
Nicole Sellhast ist seit Januar 2017 als Oberärztin der Unfallchirurgie im
Elisabeth-Krankenhaus Recklinghausen tätig. Die 42-jährige Bochumerin ist
Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie sowie Notfallmedizin. Für den DRK-Kreisverband
Dortmund e.V. übernimmt sie regelmäßig notärztliche Dienste bei
Bundesliga-Spielen, aber auch bei internationalen Partien.
Der
Verein Deutsches Rotes Kreuz (DRK) ist bei jedem Spiel im Signal-Iduna-Park vor
Ort. 123 Rot-Kreuz-Helfer sind dann für die sanitätsdienstliche Versorgung und
den Rettungsdienst im Einsatz, darunter fünf Notärzte. Auch die Unfallhilfe der
Johanniter ist dabei. 81.360 Zuschauer passen bei Bundesligaspielen in
Deutschlands größtes Stadion. 24.454 Plätze gibt es auf der Südtribüne, der
größten Stehtribüne Europas.